Forschungsinteressen


Als studierte Sportwissenschaftlerin und auf Grund meiner Erfahrungen als Nachwuchsleistungssportlerin war ich schon früh davon fasziniert, wie es möglich ist auch anspruchsvollste Bewegungen so zu koordinieren, dass sie scheinbar mühelos erscheinen. Zu Verstehen, welche Prozesse der Bewegungskoordination zu Grunde liegen, hat mein wissenschaftliches Interesse geweckt. In diesem Zusammenhang interessiere ich mich insbesondere für das Zusammenspiel kognitiver und motorischer Prozesse während der Handlungsplanung und -Ausführung und wie altersbezogenen Veränderungen der kognitiven und motorischen Leistungsfähigkeit die Bewegungskoordination beeinflussen.


In diesem Zusammenhang fokussiere ich mich hauptsächlich auf zwei Forschungsthemen: motorische Entscheidungsfindung sowie gemeinsames Handeln. Meine Forschung fußt auf dem theoretischen Konzept des Embodiment und zielt auf die Frage, wie Bewegungen koordiniert werden, um den Unsicherheiten und Veränderungen in der Umgebung Rechnung zu tragen. Nachfolgend können detailliertere Beschreibungen der beiden Forschungsthemen gefunden werden.

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Motorische Entscheidungsfindung

Hintergrund

Bei der Planung und der Ausführung alltäglicher, zielgerichteter Bewegungen müssen wir den Unsicherheiten und fortdauernden Veränderungen der Umgebung Rechnung tragen. Empirische Befunde deuten darauf hin, dass Bewegungen aus diesem Grund so koordiniert werden, dass ein optimaler Ausgleich zwischen Flexibilität in der Bewegungsausführung und Stabilität im Bewegungsergebnis gesichert wird. Dies wird erreicht durch eine kontinuierliche, parallele Spezifizierung der tatsächlich ausgeführten, sowie alternativ möglicher Bewegungen während der Handlungsplanung und -Ausführung – ein Prozess, welcher als "embodied decision making" bezeichnet wird.   
 
In diesem Forschungsbereich untersuche ich wie  altersbezogenen Veränderungen der kognitiven und motorischen Leistungsfähigkeit den oben genannten "Flexibilitäts-Stabilitäts-Ausgleich" beeinflussen. 

Methoden 

Bewegungsanalyse (z.B. Qualisys, Optotrak, Zebris) für die Aufzeichnung zielgerichteter Zeige- und Greifbewegungen 


 □ Analyse der Bewegungsvariabiliät  (z.B. PCA, kanonical Korrelation, UCM), um zu Grunde liegende Muster der Bewegungskoordination zu verstehen

Nicht-invasive neurowissenschaftliche Methoden (z.B. EEG, TMS) werden in Kooperation mit Projektpartnern  verwendet, um neurophyisiologische Korrelate der Motorik aufzuklären  


 □ Tests der kognitiven Leistungfähigkeit, um die Bedeutung grundlegender und höherer kognitiver Prozese für die Ausführungsleistung in motorischen Entscheidungsaufgaben zu bestimmen

Projektförderung 

Robert-Bosch-Stiftung:
“Trust your training: Improving movement stability in older people by manipulating cognitive uncertainty (during motor decision making) through cortical stimulation, cognitive or motor learning”
2015 – 2017

Technische Universität München:
 “Der Einfluss der Bewegungsplanung auf die Bewegungsvariabilität bei Zeigebewegungen: eine TMS Studie ”
 2014 – 2015

Projekbezogene Publikationen

Krüger, M., & Hermsdörfer, J. (2019). Target uncertainty during motor decision-making: The time course of movement variability reveals the effect of different sources of uncertainty on the control of reaching movements. Frontiers in Psychology, 10:41.

Gemeinsames Handeln

Hintergrund

Wenn wir uns im Raum bewegen, kommunizieren und koordinieren wir unser Verhalten fortwährend mit anderen Personen in der Umgebung, um mögliche Zusammenstöße zu vermeiden - ein Prozess, welcher als "gemeinsames Handeln" bezeichnet wird. Gemeinsames Handeln stellt besondere Anforderungen an kognitive und motorische Prozesse der interagierenden Personen. Bislang sind die zu Grunde liegenden Prinzipien zwischenmenschlichen Koordinationsverhaltens jedoch nur ansatzweise verstanden.

Methoden

Bewegungsanalyse, um kinematische Gangparameter zu berechnen  (z.B. Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung) 


Modellierungsansätze, um verschiedene Verhaltensparameter des Koordinationsverhaltens vorherzusagen (z.B. Reihenfolge des Passierens)


Fragebögen, um die individuelle Wahrnehmung der Interaktion zu erfassen  

Projektförderung

Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur:
“Moving forward: developing multi-method experimental approaches to investigate human locomotion in real life to support lifelong self-dependent living ”
2021

Projektbezogene Publikationen

Huber, M., Su, Y. H., Krüger, M., Faschian, K., Glasauer, S., & Hermsdörfer, J. (2014). Adjustments of speed and path when avoiding collisions with another pedestrian. PloS one, 9(2), e89589.


Knorr, A. G., Willacker, L., Hermsdörfer, J., Glasauer, S., & Krüger, M. (2016). Influence of person-and situation-specific characteristics on collision avoidance behavior in human locomotion. Journal of experimental psychology: human perception and performance, 42(9), 1332.

Weitere Forschungsinteressen

Sequenzlernen

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In unserem alltäglichen Leben werden wir häufig mit sequenziellen motorischen Aufgaben konfrontiert. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen altersbezogenen Leistungseinbußen beim Lernen von Bewegungssequenzen und dem altersbezogenen kognitiven Leistungsabbau. Aus diesem Grund stellen Sequenzlernaufgaben für mich eine interessante experimentelle Aufgabe dar, um das Zusammenspiel kognitiver und motorischer Prozesses in der Bewegungsausführung zu untersuchen. 

Körperliche Aktivität und kognitive Fitness

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Der positive Effekt körperlicher Aktivität auf z.B. physische und psychische Gesundheit, Lebensqualität, und insbesondere auch die kognitive Leistungsfähigkeit ist weithin bekannt. In diesem Zusammenhang interessiere ich mich insbesondere für die Auswirkung lebenslanger körperlicher Aktivität auf kognitive und motorische Funktionen im Alter.